Tomokai Lehrgang vom 14. Und 15. Dezember 2013

Der Abschliuss des „Tomokai Jahres“ fand am Wochenende vom 14./15. Dezember in Luzern statt.  Gegen 170 Teilnehmer fanden sich in der Säli Halle ein und waren gespannt auf das Kommende. Es ist schön wenn die bemühungen des Organisators auf ein so tolles Echo stossen. Chefinstruktor Toni Romano bereitete diesen Lehrgang akribisch vor.  Das ganze Spektrum des Karate kam zum Zug, da am Sonntag Dan Examen stattfanden, lag  einer der Schwerpunkte  auf der Vorbereitung für diese Prüfung.

Wie jedes Jahr war auch Carlo Fugazza eingeladen. Inzwischen kennen ihn alle, ich nenne ihn für mich „Mister Shotokan“. Er verkörpert die reine Lehre des Shotokan Karate wie kein zweiter. Alle seine Techniken sind darauf ausgerichtet, linear und direkt höchstmögliche Effizienz zu erreichen.

Dazu muss man wissen dass die Grundlagen des Shotokan  in der Schwertschule „Jigen“ zu finden ist. Die ultimative Technik dort war ein Hieb mit der Bezeichnung  „kleine Flammenwolke“ eine offensive und allesvernichtende Technik , ohne Rücksicht auf eigene Verluste. Es sprengt den rahmen dieses Berichtes um  das Ganze zu vertiefen, entsprechende Infos findet man im Web oder in der entsprechenden Literatur.

Mit dem nötigen Hintergrundwissen offenbart sich der Geist und die Idee die hinter dem Shotokan Karate steht. Nicht als Selbstverteidigung gedacht sondern als Angriff mit ultimativen Konsequenzen zeigt Shotokan Karate eine mentale Herausforderung auf, die es zu meistern gilt. Diese Idee verdeutlicht Carlo Fugazza mit seiner Demonstration der Shotokan Techniken.

Diese Karateprinzipien sind universell anwendbar. Genauso wie Goju Ryu Techniken zum Verständnis des Karate allgemein beitragen, sind auch die Prinzipien des Shotokan auf andere Stilarten übertragbar. Schlussendlich geht es um Erwerb von Fähigkeiten, dazu dienen verschiedene Prinzipien.  Diese Prinzipien sind auf das ganze Leben anwendbar, ob ich jetzt Kriegskunst übe oder  meine Ideen in der Malerei oder Musik zum Ausdruck bringe.

Der Samstag Vormittag war den Prüfungskombinationen gewidmet, Carlo Fugazza und auch Toni Romano zeigten die verschiedenen Möglichkeiten der Kombination auf. Kihon ist, richtig verstanden, äusserst interessant. Der Schüler hat eine feste Form die nicht verändert werden kann und nun muss er seine Kreativität aktivieren um die verschiedenen Möglichkeiten innerhalb dieser festen Form zu finden. Dies läst kreative prozesse aus die schlussendlich zu einer Horizonterweiterung führen können, so der Schüler die nötige Achtsamkeit entwickelt hat.

Am Nachmittag instruierte Carlo Fugazza  die Kata Nishu Shiho mit den Anwendungen. Kata Bunkai im Shotokan Karate ist nicht einfach zu entdecken, es braucht einen Schlüssel. Dazu muss man wissen dass die wahren Anwendungen speziell im Shotokan Karate versteckt sind. Aussenstehende können mit diesen Bewegungen und Techniken nichts anfangen, es braucht den erfahrenen Instruktor, der die nötigen Hinweise geben kann. Früher in okinawa wurde Karate im geheimen trainiert, die herrschende Klasse der Samurai wollten diese Geheimnisse unbedingt für sich entdecken. Aus diesem Grund wurden die Kataanwendungen dermassen abstrahiert dass nur noch Eingeweihte um den wahren Anwendungszweck  wussten.

Interessant ist auch festzustellen dass Toni und Carlo ganz ähnliche Vorstellungen von Karate haben aber dies völlig verschieden zum Ausdruck bringen. Toni Romano legte grossen Wert auf das Spüren der inneren Strukturen der Technik um so das Körpergefühl zu entwickeln. Der Weg über die perfekte Bewegungssteuerung führt nun mal über dieses Körpergefühl oder in der Sportsparache ausgedrückt über den Inner Flow. Dieses Trainingskonzept führt ohne Umwege zu Erfolg und dadurch zu Motivation, dies ist sicher ein Grund dass die Karatekas  diese Training immer mit viel  Begeisterung besuchen.

Am Sonntag waren Danprüfungen auf dem Programm. Es ist für die Prüfungskommission schön festzustellen dass sich alle Kandidaten  ausgezeichnet vorbereitet hatten und auch eine entsprechende  Leistung zeigten. Der älteste Teilnehmer war bereits 67 Jahre alt(jung). Er zeigte eine ausgezeichnete Leistung, ohne Abstriche und Zugeständnisse an das Alter. Dies zeigt deutlich auf, dass mit den entsprechenden Trainingsmethoden keine Abstriche wegen Alter gemacht werden muss, Voraussetzung dafür ist selbstverständlich eine intakte Gesundheit und ein Trainingskonzept dass es dem Trainierenden ermöglicht seine Ressourcen  optimal zu nutzen.

Dieses Trainingswochenende war ein toller Abschluss des Tomoka Jahres. Von mir ein herzlichen Dank an Chefinstruktor Toni Romano für seine Ausarbeitung der Trainingskonzepte und deren Vermittlung an uns Karatekas, wir alle freuen uns im nächsten Jahr den Weg gemeinsam weiter zu beschreiten.

 

Pierre Feldmann